Die Kirche und ihre Doppelmoral

Das die Kirche ein Imageproblem hat, ist mittlerweile auch in den eigenen Reihen angekommen. Es gibt kaum noch eine Zeitung oder ein Forum, indem nicht heftige Kritik an ihren Vertretern und Mitgliedern an der Tagesordnung wäre. Was folgt sind massenhafte Kirchenaustritte.

Das wollen die Macher in der evangelische und katholische Kirche jetzt ändern. Und wie es ihnen unsere Politiker seit Jahren vormachen, setzt auch die Kirche auf Schlagwörter wie Armutsbekämpfung und melden sich bei jeder passenden Gelegenheit zu Wort. Allerdings ist auch das für sie ein eher heißes Eisen. Denn gerade Mitarbeiter der zahlreichen kirchlichen Einrichtungen, sind unverhältnismäßig oft auf zusätzliche Hartz-4-Leistungen angewiesen. Bei diakonischen Einrichtungen, die größtenteils ohnehin vom Staat finanziert werden, kann ein Großteil der der Mitarbeiter nicht von den gezahlten Löhnen leben. Dazu kommt, dass die meisten Arbeitsverträge befristet sind, um unliebsame Mitarbeiter, ohne Ärger befürchten zu müssen, entlassen zu können. Klaus-Dieter Kottnik, Präsident des Diakonie-Verbandes behauptet: „Die Alternative wäre, und das ist der Gewissenskonflikt, zu sagen, wir machen die Arbeit gar nicht mehr, wir geben sie auf„. Aber genauso argumentieren alle Unternehmen, die sich vor einer gerechten Entlohnung drücken. Das ARD-Politmagazin, dass sich auf die Recherchen von „Report Mainz“ stützte, spricht mittlerweile von regelrechtem Lohndumping in den kircheneigenen Unternehmen. Hinzu kommt, dass das für alle anderen Unternehmen verbindliche Arbeitsrecht, für die Kirchen in Deutschland keine Gültigkeit besitzt. In der Weimarer Reichsverfassung beschlossen, hat das sogenannte kirchliche Selbstbestimmungsrecht, bis heute seine Gültigkeit nicht eingebüßt. Das gestattet ihnen, entgegen dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, Mitarbeiter abzulehnen oder zu entlassen, wenn deren persönliche Ansichten oder Verhältnisse, nicht mit der Kirchenpolitik überein stimmen. Eine bedenkliche Sonderstellung, die schleunigst aufgehoben gehört. Das die offiziellen Vertreter der Kirchen es wagen, in öffentlichen Debatten mehr Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung zu fordern, grenzt da schon an Blasphemie.

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