Traditionswies´n auf dem Oktoberfest

200 Jahre nach der Vermählung am 12. Oktober 1810 des Kronprinzen Ludwig, des späteren König Ludwig I., mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen findet dieses Jahr auf dem Oktoberfest auch eine Traditionswies´n statt. Diese wurde heute feierlich einen Tag vor der offiziellen Wies´n eröffnet. Zu sehen ist alles, wie es früher war. Es ist täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr geöffnet und schließt somit bereits vor den Zelten der restlichen Wiesn. Der Eintritt auf das Gelände der historischen Wiesn kostet 4,00€. Alle Darbietungen wie Aufführungen im Kulturzelt oder die Pferderennen sind im Preis inbegriffen. Nur die Fahrten mit den Karussellen und das Schaustellerangebot kosten jeweils 1,00€ extra.

Und das Bier ist ein ganz spezielles. Alle sechs Münchner Brauerei Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten haben zum feierlichen Jubiläum ein Bier gebraut, dies nur auf dem Historischen Oktoberfest ausgeschenkt wird. Für den Einkauf regionaler Rohstoffe sind Paulaner und Hacker-Pschorr verantwortlich, gebraut wird das Geheimbier dann bei Augustiner und Hofbräu. Das besondere am historischen Wiesn-Bier ist aber nicht nur die Teamarbeit der Münchner Brauereien, sondern vor allem sein Geschmack: Alle Braumeister haben dazu ihre Archive nach alten Rezepten um 1810 durchstöbert. So wird dieses Spezialbier einen vollmundigen Malzgeschmack haben wie vor 200 Jahren, natürlich gebraut nach heutigen Hygienestandards. Das historische Wiesn-Bier soll dunkler als das normale Wiesn-Bier, aber genauso stark sein.

Genauso war es vor 200 Jahren, als zu Ehren des Paares, Auftritte und Pferderennen stattfanden. Durch den Beschluß, das publikumswirksame Pferderennen im folgenden Jahr zur gleichen Zeit zu wiederholen, entstand die Geschichte des „Oktober-Festes“. Bereits in diesem Jahr kam zum Pferderennen das erste Landwirtschaftsfest als Fachausstellung zur Hebung der bayerischen Agrarwirtschaft hinzu. Im Jahr 1938 musste aus organisatorischen Gründen auf die Austragung der Pferderennen verzichtet werden, doch die Landwirtschaftsausstellung findet immer noch alle vier Jahre auf dem südlichen Teil der Festwiese statt.

Auch mit den heute riesigen total überlaufenen Bierzelten hat das Oktoberfest nichts mehr mit dem Fest von damals zu tun. In kleinen Buden, deren Zahl rasch stieg, konnten sich die Besucher mit Bier versorgen. Zunächst unter freiem Himmel, wie Gemälde und Zeichnungen aus den ersten Jahren des Festes zeigen, statt Zelten gab es einfach gezimemrte Brettebuden. Ab etwa 1820 gab es auch Buden mit Sitzplätzen im Inneren. 1824 wurde erstmals die Anzahl der Wirte regelemtiert: 18 Bierwirte aus München waren zugelassen, plus vier Wirte aus dem Landgerichts München auf der angrenzenden Sendlinger Höhe, die seinerzeit u.a. das besonders beliebte Tölzer Bier ausschenkten, welches auf Isarflößen in die Stadt gelangte. Um 1872 gab es dann ca. 20 Bierbuden, die alle nur einen kleinen Gastraum von 50-60 qm Größe hatten und vor allem aus einer Küche mit Herd plus Schänke bestanden. Das erste Bierzelt, so wie wir es heute ungefähr kennen gab es erst im Jahr 1896. Archtekt Gabriel von Sedl entwarf seinerzeit die innovative Schottenhamel Festhalle mit Platz für rund 1.500 Gäste, die ihrer Größe wegen nicht im Wirtsbudenring, sondern außerhalb derselben aufgebaut werden mußte. Aber erst seit 1909 waren alle sechs Parzellen im Ring mit den großen Festhallen der Münchner Brauereien bebaut. Ab diesem Jahr bis heute sind die Münchner Brauereien die einzigen Lieferanten für das Oktoberfestbier.

Die erste Schaustellerbude gab es ab 1818. Doch der Grundstein für die Wies´n, wie wir sie heute kennen wurde erst sehr viel später gelegt. Im Jahr 1880 begann die Blüte des deutschen Schaustellergewerbes und der Karussellindustrie. Viele Fahrgeschäften, Belustigungen und Schaubuden wurden entworfen und aufgestellt um jung und alt auf das Fest zu ziehen.

Heute gilt das Oktoberfest als größtes Volksfest der Welt und ist weltweit bekannt. Das Besondere an der Wiesn ist, daß sie den Spagat zwischen Fest für die Münchner und internationaler Großveranstaltung spielend schafft; daß sie sich an ihre Wurzeln erinnert und offen ist für neue Entwicklungen. Doch auch wenn viele Münchner die Geschichte des Oktoberfestes kennen, kennen viele Touristen dies nicht. Sie kommen oft einfach nur wegen der Belustigung und der Stimmung. Doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich auf dem Oktoberfest auch in den letzen Jahren viel getan hat. Zwar gab es vor einigen Jahren bereits schon viele Besucher von überall auf der Welt. Doch heute ist der Tourismus auf der Wies´n extrem angestiegen und komplett überlaufen. Doch wer doch noch mehr Interesse bei der zugleich 177. Wies´n hat kann sich das Literaturarchiv der Stadt München in der Maria-Theresia-Straße 23 bei freiem Eintritt vom 14. Juli bis 19. November 2010 die Ausstellung „Vorstadtstenz und Wiesnbraut. Literarische Oktoberfestporträts aus zwei Jahrhunderten“ in der Monacensia ansehen. Hier kann man auch ein wenig verstehen, warum das Fest so populär wurde. Auch wenn es immer noch kaum zu glauben ist, dass aus einem Fünf-Tage-Fest zu Ehren eines Brautpaares ein 16-Tages-Fest wurde. Zum Jubiläum dauert die Wies´n sogar 17 Tage.

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