Bundesparteitag: Alleinunterhalter Sigmar Gabriel

Der Vorsitzende der SPD Sigmar Gabriel hat auf dem Bundesparteitag in Berlin fast zwei Stunden am Rednerpult gestanden und eine Rede gehalten. Er selber findet, er habe eine gute Rede gehalten und sagt im Scherz: “ Meine Rede sei vielleicht länger als mancher Vortrag von Fidel Castro gewesen, aber besser. Der SPD-Chef redete insgesamt 106 Minuten lang. Seine Anhänger selbst fanden dies übertrieben. Einer sagte: „Halb so lang wäre okay gewesen.“ Aus der Führungsebene der Partei hieß es:“eine halbe Stunde weniger hätte es auch getan.“ Doch Gabriel hält zu seiner Rede. Er sieht sich als Sieger und Lebensretter. Er findet, dass er nach der Wahlniederlage vor einem Jahr die SPD fast im Alleingang auf die Beine gebracht hatte. Deshalb hat er erst vor kurzem auch mitgeteilt, er möge nicht mehr der Alleinunterhalter seiner Partei sein und dennoch redete er alle zu Grund und Boden. Was das Ende vom Bundesparteitag war. Alle Redner nach ihm bekamen nur noch jeweils drei Minuten anerkannt, weil die Castro-hafte Rede den Ablaufplan vollkommen durcheinander brachte. In der Rede nannte er das neue Ziel der Partei. Dieses ist die Bundesregierung bis spätestens im Jahr 2013 zu übernehmen und zwar mit den Grünen. Auch wenn er im Moment an dieser Partei kein gutes Wort ließ. Er nannte sie „Die neue FDP“, weil die Grünen bei den neuesten Umfragen neue Rekordpunkte erzielten.

Mit welchen Perspektiven möchte Gabriel aber die Wahl gewinnen. Soziale Gerechtigkeit und Fairness seien „der Markenkern der SPD, das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, ruft Gabriel in den Saal. Das hört die Partei gerne und klatscht euphorisch. „Gute Bildung, gute Arbeit und fairen Lohn“ – dafür müsse sich die SPD einsetzen, verlangt er. Die Partei werde „auf allen Ebenen wieder für die Mehrheit der Arbeitnehmer und ihre Familien Politik machen“. Und, sagt Gabriel: „Wir müssen wieder parteiischer werden.“ Für viele hört sich das eher links an. Dies ist auch nicht ganz so verkehrt. Später wird der Aufschub der Rente mit 67 verabschiedet, dies war ursprünglich ein Beschluss der Großen Koalition, ebenso ein Antrag zur Andererseits sagt Gabriel Sätze wie: „Merkel macht Platz in der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft. Das sind die, die sich für Aufstieg, Bildung und Leistung interessieren, aber auch für sozialen Ausgleich, Umwelt- und Verbraucherschutz.“ Doch ob Gabriel mit dieser Rede in den Vordergrund schießt kann man kaum glauben. Denn wer seine Gegner nicht zu Wort kommen läßt, kann auch kein Land regieren. Zum regieren benötigt man Minister, die als Berater in Bund und Ländern dienen. Wenn man diese nicht reden lässt, weiß man auch nicht, was zu ändern wäre.

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