Piraten-Prozess beginnt

Ein Gericht in Amsterdam ordnete die Überstellung der zehn Seeräuber nach Hamburg an, die vor zwei Monaten das deutsche Containerschiff „Taipan“ überfallen hatten. Sie befinden sich noch immer in den Niederlanden, nachdem sie von einem niederländischen Spezialkommando am Ostermontag festgenommen worden waren. Die Piraten sollten in den nächsten 10 bis 14 Tagen in Hamburg ankommen. Die Hamburger Staatsanwalt würde noch in diesem Jahr mit dem Prozess gegen die somalischen Räuber beginnen. Damit beginnt der erste Piraten-Prozess nach ungefähr 400 Jahren. Doch die Somailier können gegen die Überführung noch Einspruch einlegen. Dies könnte gut möglich sein, denn bereits Ende Mai hatten die Seeräuber in einem Amsterdamer Gericht betont, dass sie das Verfahren in einem niederländischen Gericht bevorzugen würden und nicht nach Deutschland überführt werden wollen. Die Piraten begründeten dies, da sie der Meinung waren, das Schiff wäre nicht mit der deutschen Flagge unterwegs gewesen, sondern unter der Flagge der Bahamas oder Liberias. Die Anklageschrift lautet auf Angriff auf den Seeverkehr, sowie versuchter erpresserischer Menschenraub. Bei einer Verurteilung drohen den Gefangenen bis zu 15 Jahre Haft.

Für Historiker ist dieser Prozess ein sehr einschneidendes Ereignis. denn die letzten Verurteilungen liegen weit zurück. Wann genau lässt sich allerdings nur schwer ermitteln. Historiker Robert Bohn von der Univeristät Flensburg sagte: „Da gibt es noch Forschungsdefizite“. Nachvollziehen lässt sich jedoch, dass die letzten Prozesse nach 1600 vorbei waren. Zwischen 1390 und 1600 wurden nach den Recherchen von dem Historiker und Piratenexperten Ralf Wiechmann vom städtischen „hamburgmuseum“ in der Hansestadt mindestens 533 Freibeuter hingerichtet. Danach kehrte an der Seeräuberfront Ruhe ein. Nach 1600 spielte Piraterie keine Rolle mehr. Seiner Ansicht nach ist es deshalb durchaus möglich, dass die Somalischen Piraten die ersten seit dieser Zeit waren.

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