Wulff beim Holocaust-Gedenktag in Auschwitz

In seiner gestrigen Ansprache, anlässlich des Holocaust-Gedenktages im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, hat Bundespräsident Christian Wulff zur Wachsamkeit aufgerufen. Weltweit werden noch immer Menschen aus ethnischen oder religiösen Gründen getötet. Als das Gefährlichste für Demokratie und Freiheit bezeichnete der Bundespräsident die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid Anderer. Wulff: „Die Erinnerung muss ewig wach gehalten werden. Das sind wir nicht nur uns, sondern allen schuldig.“ Auch sein polnischer Amtskollege, Bronislaw Komorowski, wies in seiner Rede darauf hin, dass es die wichtigste Aufgabe der Menschheit ist, die Welt von Hass, Missachtung und Verbrechen zu befreien. Komorowski: „Dies sind wir allen schuldig, die in Auschwitz gestorben sind, aber auch all jenen, die vor nicht so langer Zeit auf dem Balkan und anderswo gestorben sind.“ Beide Präsidenten legten, im Gedenken an die über eine Million ermordeten Menschen in Auschwitz und Birkenau, Kränze an der Hinrichtungsmauer in Auschwitz nieder. Im Berliner Parlament erinnerte Bundestagspräsident Norbert Lammmert, während einer Gedenkstunde an die Opfer des Holocaust daran, dass nicht nur Juden, sondern auch Sinti und Roma verfolgt und ermordet worden waren. Dies jedoch ist bis heute kaum im öffentlichen Bewusstsein angekommen und noch immer sind Sinti und Roma die am stärksten diskriminierte und stigmatisierte Bevölkerungsgruppe in Europa. Zoni Weisz, der als erster ihrer Vertreter im Bundestag sprechen durfte, bezeichnete die Ermordung seines Volkes als „vergessenen Holocaust“, aus dem die Gesellschaft nur wenig gelernt habe; „sonst würde sie heute verantwortungsvoller mit uns umgehen“. Nicht nur in Rumänien und Bulgarien, wie die jüngsten Ereignisse in Frankreich zeigen, werden auch in Mitteleuropa die Menschenrechte von Sinti und Roma noch immer missachtet.

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