Gutt-Bye – Rücktritt eines Plagiators

Das vielfach in der Vergangenheit fabrizierte „Aussitzen á la Kohl“ funktioniert heute nicht mehr. Die Kanzlerin Angela Merkel versuchte es zwar, doch am Ende steht der Rücktritt des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Ungünstig für die Kanzlerin, denn hatte sie ihn noch kürzlich in einer Rede als angestellten Minister und nicht angestellten Doktor bezeichnet und wollte ihn somit im Amt bestätigen.
In dieser Affäre geht es jedoch nicht um ein Kavalliersdelikt, es ist eine Täuschung, die aufgeflogen ist. Zu Guttenberg hat mit seinem Versuch die Sache zu verharmlosen, alles noch viel schlimmer gemacht. Doktortitel weg, Amt als Minister weg – und das alles, weil Herr zu Guttenberg zum einen in der Funktion als „junger Familienvater“ und zum anderen während seiner politischen Laufbahn, promovieren wollte. Adelstitel plus Doktortitel macht schon was her.
Die politischen Gegner zu Guttenbergs freuen sich, nie war es einfacher jemanden aus dem anderen Lager ab zu servieren. Die Hilfe kam aus der Generation Internet. In penibelster Arbeit wurde das Doktorwerk von zu Guttenberg auseinander genommen und im Internet veröffentlicht. Somit wurde deutlich, dass es sich nicht nur um ein oder zwei fehlende Fußnoten handelte, sondern um ein klares Plagiat.
Wie es mit dem Ex-Verteidigungsminister nun weiter geht bleibt abzuwarten. Die CDU und CSU verlieren einen bedeutenden Faktor in ihren Reihen. Kein Politiker war beliebter als Karl-Theodor zu Guttenberg. Dennoch, auf die Frage des Internet-Nachrichtensenders tagesschau.de, ob der Rücktritt zu Guttenbergs angemessen sei, antworteten 64 Prozent der über einhundert Tausend Teilnehmer mit „Ja“.
Die Kanzlerin hingegen verurteilt die Gegner zu Guttenbergs und gibt sich bereits Stunden nach dem Rücktritt kämpferisch. Als „scheinheilig“ und „verlogen“ bezeichnet sie die Gegner um die SPD. „Wir müssen uns von niemandem erklären lassen, was Anstand und Ehre in unserer Gesellschaft sind“, sagte sie am Dienstagabend bei einem Wahlkampf-Auftritt in Karlsruhe.

Update:

De Maiziere übernimmt Verteidigungsministerium

Bereits einen Tag nach dem Rücktritt Karl-Theodor Guttenbergs (CSU) von seinem Amt als Verteidigungsminister, wurde ein Nachfolger bestimmt. Wie der CSU-Chef Horst Seehofer heute bekannt gab, wird Thomas de Maiziere (CDU) neuer Verteidigungsminister. Sein bisheriges Ressort, das Bundesinnenministerium, wird Hans-Peter Friedrich übernehmen. Dafür gibt er seine Arbeit als CSU-Landesgruppenchef auf. Wer zukünftig die Landesgruppe der CSU-Bundestagsabgeordneten leiten wird, ist noch nicht geklärt. Im Gespräch sind Stefan Müller und Alexander Dobrindt.

2 Gedanken zu „Gutt-Bye – Rücktritt eines Plagiators

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